10.09.2021

Sport und Muskeltraining in der Krebsbehandlung

Wieso das Muskeltraining in der Primär-, Sekundär- und Tertiärbehandlung von Krebserkrankungen unabdingbar ist.

Die erfolgreichen Serien wie die VOX-Produktion Club der roten Bänder oder auch Personen des öffentlichen oder des eigenen Lebens bringen uns immer wieder Krebserkrankungen nah. Nahezu jeder und jede kennt jemanden, der gegen diese Erkrankung kämpfen muss und musste. Chemo- und Antikörpertherapien sind daher dem Großteil der Bevölkerung bekannt. Weniger bekannt ist aber eins: das regelmäßige Training ist genauso wichtig wie ein Medikament!

Unzählige klinische Studien haben die Wirkung von sportlicher Aktivität bei der Prävention, bei der Behandlung, aber auch bei der Nachbehandlung von Krebserkrankungen untersucht – und alle kommen zu einem Ergebnis: Sport ist wie ein Medikament! Regelmäßiger Sport kann demnach eine Krebserkrankung vorbeugen. Das Risiko einer Krebserkrankung wird nachweislich um 20 - 30% bei aktiven Menschen reduziert. Sollte dennoch eine Krebserkrankung auftreten, so ist das Rückfallrisiko geringer. Daher ist Training das beste Mittel, um in der Primärbehandlung jegliche Krebserkrankungen zu verhindern.

Effekte des Sports auf die Behandlungsphasen

Besonders viele Studien sind bei Brust-, Darm- und Prostatakrebs durchgeführt worden. Gerade bei BrustkrebspatienInnen erweisen sich Cardio-Einheiten wie Jogging oder Walking als positive Einflussfaktoren bei der Überlebensrate in der Sekundärbehandlung. Aber nicht nur das: auch die Intensität kann einen positiven Faktor haben. Je intensiver die sportliche Aktivität ist, desto geringer ist die Brustkrebsmortalität. Diese Ergebnisse spiegeln sich aber auch bei anderen Krebserkrankungen wieder. Es geht jedoch nicht nur um Mortalitätsraten, sondern auch um Ruhepuls- und Blutdruckwerte, sowie auch um depressive Verstimmungen und Rückenschmerzen. Nicht zu vergessen sind zudem die generellen positiven Faktoren von körperlicher Betätigung wie Beweglichkeit, Merk- und Gedächtnisfähigkeit, Stress- und Angstabbau und viele weitere. Aber auch in der Tertiärbehandlung, in die ein zuvor Erkrankter krebsfrei bleiben möchte, verzeichnen sich durch den Sport und Muskeltraining positive Faktoren.

Das Rätsel des Medikaments Muskeltraining

Weshalb der Sport in der Behandlung eine so entscheidende Rolle spielt, ist weitestgehend in den biologischen Mechanismen unerforscht. Tumore wachsen in komplexen Vorgängen, die noch nicht gänzlich offengelegt sind, jedoch gibt es erste Forschungstendenzen. So könnte der positive Effekt einerseits auch vom Glukosehaushalt abhängig sein, der bei sportlicher Betätigung verbraucht wird und so nicht mehr dem Krebswachstum dienen kann. Aber auch die erhöhte Durchblutung des Körpers erschwert das Überleben von Krebszellen. Jedoch können auch allgemeine Rückschlüsse von Sport auf das Immunsystem gezogen werden, die die Behandlungsphasen beeinflussen. Dazu gehören einerseits die körpereigenen Botenstoffe, aber auch die Verbesserung von DNA-Reparaturmechanismen oder auch der angeregte Stoffwechsel. So werden z.B. Kontaktzeiten von krebserregenden Stoffen im Magen und Darm verkürzt. Gerade bei hormonabhängigen Brustkrebserkrankungen ist das regelmäßige Training aber unumstritten wichtig. Durch Muskeltraining wir der Östrogenspiegel in Blut und Gewebe gesenkt. Ebendies bewirken medikamentöse antihormonelle Therapien.

Welche Form von Sport unterstützend ist

Zwischen der Intensität bzw. Anzahl der Einheiten des Sports und der Krebs-Wirkung gibt es einen Zusammenhang: je mehr und intensiver trainiert wird, desto höher ist der positive Einfluss!

Jedoch sollte das Pensum an den individuellen Möglichkeiten des Sporttreibenden angepasst sein. Daher empfiehlt es sich, dass Krebserkrankte zuvor den Arzt konsultieren. Generell ist jedoch eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining, gepaart mit Flexibilitäts- und Koordinationsübungen, empfehlenswert. Das Ausdauertraining steigert die Leistungsfähigkeit. Schon nach zwei bis vier Wochen werden die ersten Verbesserungen bemerkbar. Hierbei sollte man mindestens 10 Minuten am Stück trainieren, aber 30 bis 60 Minuten sind hierbei die beste Orientierung. Das Krafttraining spielt besonders bei Krebserkrankungen eine Rolle, bei der Muskelmasse verloren geht. Ohne die entscheidende Muskelmasse fällt der Alltag schwer. Gerade bei Prostata- und Brustkrebs zeigt sich, dass Nebenwirkungen von Medikamenten in der Sekundärtherapie eingedämmt werden. Koordinationsübungen sind u.a. in der Rehabilitationsphase entscheidend. Sie sollen die Abläufe der verschiedenen Muskeln schulen, sodass Handlungsabläufe wieder vereinfacht werden. Aber auch das Beweglichkeitstraining ist unerlässlich. Dabei wird die Durchblutung gefördert, aber auch Fehlhaltungen vorgebeugt, sodass Alltagsbewegungen wieder sicher durchgeführt werden.

MET-Konto als Orientierung

Die Deutsche Krebshilfe rät zu einer sportlichen Betätigung von je 60 Minuten an drei Tagen in der Woche. Um die richtige Intensität und Aufwand zu wählen, kann das sogenannte MET-Konto, also metabolic equivalent task, als Orientierung dienen. 1 MET entspricht dem Energieverbrauch von 1kcal pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde. Ziel sollten demnach 18-25 MET pro Woche sein. Je nach Sportart und körperlicher Aktivität unterscheidet sich die Anzahl an Punkten pro Stunde.

Muskeltraining

MET pro Stunde

Schwimmen

8

Fußball, Joggen, Skifahren

7

Walken

4

Spazierengehen

3

Radfahren

4

 

Muskeltraining für Krebserkrankte im INJOY Hagen

anitaDas INJOY Hagen bietet Krebsbetroffenen nun eine Plattform, um der sportlichen Betätigung nachzukommen und um sich auch auszutauschen. Sie können hier kostenlos trainieren und bei wöchentlichen Treffen Erfahrungen und Wissen austauschen. Zusätzlich werden wichtige Informationen über Ernährung und Muskeltraining vermittelt. Ins Leben gerufen wurde dieses Programm durch die INJOY Hagen-Mitarbeiterin Anita, die selbst am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt ist. Sie möchte weiteren Betroffenen auf dem Weg begleiten und sich gegenseitig unterstützen. Denn sie weiß als Reha- und Kursleiterin, wie wichtig das Muskeltraining in der Therapie ist.

„Sobald ich mich fit fühle, fange ich mit dem Training an – ich habe dann fast wieder den Leistungsstand wie in alten Zeiten.“

Sollten auch Sie an einer Krebserkrankung erkrankt sein oder Sie möchten einfach präventiv Ihre Gesundheit fördern, vereinbaren Sie einen Termin für Ihre individuelle Beratung. Das INJOY Hagen bietet für jedes Sportlerherz das passende Training! Ihre Startmöglichkeiten finden Sie hier!

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